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Kunst & Koiser

Gestern Mittag ist Kosi eingetroffen, relativ gut gelaunt trotzt langem Flug. Am Nachmittag (nach einem ausgedehnten Mittagessen inkl. Kuh) hab ich ihm ein bissl die Stadt gezeigt und anschliessend gings nach La Boca in die Kunstgalerie. Ich hab ja letzten Freitag dort ein Bild gekauft konnte es da aber noch nicht mitnehmen (ausserdem hatte ich keine Kamera dabei und ich wollte ja auch ein Foto der Künstlerin).

Und da traf es sich ganz gut dass der Koiserer dabei war - das erste Bild hat er zwar verwackelt:

bild1.jpg

Dafür ist das Bild ganz drauf. Der Titel ist übrigens “Luna al mese con fruttas” (möglicherweise stimen die Präpostionen net).  Das zweite Foto ist scho besser (dafür fehlt der untere Teil des Bildes):

bild2.jpg

Muss es nur noch rahmen lassen und künftig ziert eine echte Perez die Mosergasse….

Wahre Helden

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In BA weiß man wenigstens noch wie man wahre Helden ehrt!

Rutina Argentina

Heute habe ich den letzten Tag in der Sprachschule und das ist gut so. Die letzten Tagen waren schon etwas langweilig - es ist schlichtweg nix passiert (und deswegen hab ich auch keine Beiträge verfasst). Am Wochenende bin ich durch die Stadt gestreift und hab mir ein paar Viertel angesehen die ich noch nicht kannte. Buenos Aires hab ich nun gesehen, es wird Zeit die Stadt zu verlassen. Das passt auch gut dass Kosi heute landet (wird so gegen Mittag eintreffen) und wir dann gemeinsam ins Land reisen. Igazu, Mendoza (die Weinstadt) und Salta (im Norden) stell ich mir mal als mögliche Ziele vor.

Feuerland wär zwas genial, dazu ists aber schon zu spät im Jahr. Und da es auch in BA ziemlich herbstelt (in der Früh hats nur noch 6° - und vor zwei Wochen warens 34°!!!) fahr ich lieber in den Norden.

Und deshalb wird in den nächsten Tagen die Route geplant, die Transportmittel organisiert (Flug & Bus) und was noch alles dazugehört. Gott sei Dank, denn es wirklich sowas wie “Rutina” eingekehrt - und man stelle sich vor, seit zwei Tagen habe ich auch keine Kuh gegessen!! Qué lastima!

Guntero in La Boca

Und ich war gestern Nacht auf einer Party in eben diesem Stadtviertel eingeladen! Rebecca, meine Nachbarin in Wien, hat einen guten Freund in Buenos Aires. Diesen habe ich vorgestern mit einigen seiner Arbeitskollegen zum Essen getroffen und die haben mich auf die Party gestern eingeladen.

Im “Centro Popular Norberto y Arrigo Todesca” feierte die Künstlerin Christina Perez ihren Geburtstag und die Eröffnung ihrer Ausstellung. So gegen 1 ist sie dann mit ihrer Band aufgetreten, es war unglaublich! Sie hatte eine unglaubliche Stimme und sang Musik aus ganz Südamerika, die Stimmung war enorm. Und danach wurde weitergesungen: Tangos, Lieder und Hymnen auf die Revolution & “Commandante Che Guevara” (und wer mittendrin? da Fuhrmann Günter aus Stanabrunn!!!)

Ich hab mich sehr geärgert dass ich meine Kamera da nicht mitgehabt hab, dieses Kulturzentrum war wirklich sehr lässig! Ich hab mir dafür ein Bild der Malerin gekauft, denn ihre Sachen waren ziemlich genial:

Christina Perez 

(Ein bissl gruselt hats mir aber doch, denn auch die Einheimischen haben gemeint es wäre nicht sonderlich gscheit die paar Blöcke bis zur Hauptstraße durch La Boca zu gehen, wir sollten die Taxen lieber per Telefon her bestellen.)

La Boca

Eines der berühmtesten Viertel von Buenos Aires ist La Boca, bedeutend nix anderes als “Der Mund”. Hier siedelten ab 1880 die süditalienischen Einwanderer. Berühmt ist La Boca aus 3 Gründen:

1. Die bunten Häuser:

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La Boca war das alte Hafenviertel. Die Einwanderer arbeiteten in den Schiffswerften und um ihre Wellblechhäuser gegen Rost zu schützen strichen sie diese mit übriggebliebenen Schiffsfarben an. Und da nie genug Farbe für ein ganzen Haus übrig war, schauen diese aus wie ein Fleckerlteppich.laboca-caminto.jpgHauptstraße von La Boca ist der “Caminito”, einst berüchtigt für Bordelle und Spelunken, heute eine der Touristenfallen der Stadt. Teuer, mies, Ramsch wohin man schaut. War die einzige Straße in Buenos Aires bis jetzt die auf mich so gewirkt hat. Naja, in einer großen Stadt wie dieser gibts halt alles.

2. Boca Juniors & La Bonbonera

Boca Juniors ist der berühmteste Fussballclub von Buenos Aires. Hier startete Diego Maradona seine Karriere. Und der Tempel der Juniores ist das Fussballstadion La Bombonera. Alles hier prangt in Blau-Gelb, den Vereinsfarben.

Falls man seines Lebens müde sein sollte dann soll man spätnachts rot-weiß-schwarz gekleidet durch La Boca gehen. Denn das sind die Vereinsfarben von River Plate, Erzrivale und bestgehasster Feind von den Juniores. Dies führt gleich zu Punkt 3 der Berühmtheit dieses Viertels.

3. La Boca ist gefährlich

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La Boca ist ein armer Bezirk, das merkt man wenn man durch die Straßen jenseits des Caminito fährt. Die Häuser wirken etwas heruntergekommen und man sollte dort nicht unbedingt mit Kamera, I-pod und weit auseinandergefaltetem Stadtplan spät-abends rumspazieren.

hund.jpgMan sieht es den Typen auch an die in La Boca unterwegs sind, mit denen ist nicht gut Kirschen essen (man achte auf die wilde Boxerjacke die die tragen!!!).

Alles in allem, La Boca ghört zu BA dazu wie die Prunkpaläste der Avenida de Mayo oder in Recoletta!

Da ich ja nix gscheits glernt hab sondern Jus studiert, meine Karriere als Tangotänzer ebenfalls stockt und Kuhesser net wirklich ein Beruf ist wirds schwierig sein sich hier eine Existenz aufzubauen. Obwohl heute hab ich wieder einen Job gesehen den ich auch ausüben könnte:

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Und Sackerl fürs Gackerl braucht man auch net….

Einer der Hauptgruende fuer den Besuch einer Sprachschule war die Hoffnung dort interessante Leute aus allen Teilen der Welt kennen zu lernen. Diese Hoffnung hat sich mehr als erfuellt. Die Motive warum die Leute herkamen sind recht unterschiedlicher Natur, doch dominiert ein Grund ihre Entscheidung nach Buenos Aires zu kommen. Die meisten sind in ihren 30ern, haben die ersten Karrierephase hinter sich. Nach etlichen Jahren permanenten Hackelns und intensivstem Engagement in den Job stellt man sich die Frage “Wozu das alles eigentlich?”.

Und so treffen sich hier Leute aus allen Teilen der Welt auf quasi neutralen Boden. Manche machen eine Pause zwischen Jobs und nutzen die Zeit um durchzuatmen, die Batterien aufzuladen und sich dabei selber wieder zu finden. Buisnesscards werden dabei nicht ausgetauscht und Jobgespraeche beschraenken sich aufs aller notwendigste (man fragt halt nach, aber Herkunftsland, Interessen, Biographien sind viel spannender).

Und das geniale ist wie sich quasi dabei der eigene Horizont aufsprengt. Gestern war ich auf einer Weinkost mit ein paar Leuten aus der Schule, darunter Anagh aus Mumbay, heute ein erfolgreicher Arzt in den USA (und nach durchschnittlich ueber 100 Arbeitsstunden pro Woche schwer urlaubsreif). Wir waren anschliessend noch essen und diskutierten fuer Stunden. Und ich hab festgestellt was ich eigentlich fuer ein eurozentrischer, ignoranter Popanz bin! Dieses permanente Anbeten unserer Kultur, unserer Tradition, unserer Europaeischer Union, unserer Werte, unserer was weiss ich noch - und ich nehm mich da gar net aus, ganz im Gegenteil - verstellt den Blick auf die Welt doch sehr! Und wenn man dann hoert dass ein intelleginter Mensch, Absolvent mehrer Medizinunis in UK & USA, Autor zweier medizinischer Fachbuecher die schon zur Standardliteratur in USA gehoeren (und das mit 35 Jahren!) in Europa (nicht nur jenseits der Haupststaedte) permanent mit Alltagsrassismus konfrontiert ist nur weil er als Indern dunklere Haut hat dann beginnt man schon nachzudenken. Natuerlich hat man davon gehoert, war schockiert und entruestet.  Aber es ist doch was anderes wenn jemand Betroffener davon erzaehlt. Und das ganze noch dazu eingebettet in eine der spannendsten Konversationen die ich in letzter Zeit hatte!

Ich hab mir fuer diese Reise gewuenscht etwas veraendert, bestenfalls ein bissl gscheiter zurueck zu kommen. Vielleicht wirds ja was…

Nun bin ich schon 2 Wochen hier, die Zeit ist viel zu schnell vergangen. Ich bin durch die Stadt gestreift, habe ein hervorragendes Restaurant nach dem anderen ausprobiert und mich in Konzerte und Milonga gewagt.

Und begonnen spanisch zu lernen….
Die Schule ist hervorragend, die Lehrer sehr gut und die Masse an Informationen über die Sprache enorm. In den gut 1 1/2 Unterrichtswochen habe ich schon 3 zeiten, irregelurare und regulare Konjugationen, Objeto diretto & inderetto, reflexive und direkte Verben, partizipative, possesive und was weiß ich noch für Pronomina gelernt. Ich kann mich vorstellen, sagen woher ich komm, was ich in der Kindheit so tat (man spricht ja Preferitto perfecto) und ähnliches.

Dennoch kommt mir das meiste noch ziemlich spanisch vor. Doch die Alltagstauglichkeit meiner Sprachkenntnisse stösst meist recht rasch an ihre Grenzen. Wobei simple Themen wie das Wetter, die politische Krise der Europäischen Union, die Zubereitung von Kühen oder ob man Weinen aus San Juan denen aus Mendoza den Vorzug geben soll ist kein Problem, über sowas redet man beim Taxifahren.

Jedoch die Tücken sind im Detail! Die ausgeprägt Service-Kultur dieses Landes überrascht fast täglich aufs Neue. Gestern Abend war ich Annalena aus der Schweiz im “Restaurante Hispano” im spanischen Viertel von BA Abendessen (fantastisches Lokal übrigens, quel sorpresa…..).

Das Studium der Speisekarte klappte im großen und ganzen gut (mag vielleicht auch daran gelegen haben dass der Kellern - oder Mozo wie man hier sagt - die zweisprachige gebracht hat, wir haben aber nur die spanischen Seiten angeschaut). Relativ rasch einigten wir uns auf 2, 3 Vorspeisen und die Hauptgänge und wollen die Bestellung aufgeben, sagt der Kellner irgendwas das so nach “gibts net” klingt. Nachfrage ob das nicht da wäre (es handelte sich um Rablas, das sind Kalamares, und eine Tapasvariaton), Antwort: “Na, Na, das gibts schon, aber die Portion wäre zu groß, wir könnten das nicht alles aufessen. Aber wenn wir unbedingt wollen bringt ers schon”. Gut, wir einigen uns auf eine halbe Portion Rablas und die Tapas, der Kellner war auch damit einverstanden. Als zweiten Gang wollte Anna ein Steak (oder Lomo wie man sagt) mit Pilzen und ich einen Fisch. Durfte ich aber nicht haben, da das Lomo so viel wär und wir sollten uns nach den Vorspeisen doch das Lomo teilen weil das Lomo ohnehin aus 3 Medaillons besteht. Salat durften wir dann wieder ohne Widerrede bestellen.

Das ganze war aber so freundlich und nett gebracht, man wundert sich nur ob man wirklich richtig versteht! Denn in good old Europe wird gebracht, abgerechnet und basta!
Als ich mir nach dem Dessert noch einen Cognac gönnte (aus San Juan natürlich, der aus Mendoza ist nur was für Wildschweine), fragt mich der Mozo nach der Aufnahme der Bestellung wieder was. Es klang so nach “heiß machen”. Ich denk mir “Häh??” und geb die einzig mögliche Antwort: “Si, Si, seguro” weil ich keine Ahnung hatte was er will.

Kommt er mit einer Flasche Cognac, einem Schwenker und einer Kanne heißen Wassers, wärmt mit dem heißen Wasser das Glas vor und füllt es erst danach mit Cognac (einem doppelten natürlich).
Und damit lehnt man sich gemütlich in seinem Stuhl zurück, streicht sich wohlig über den mit Köstlichkeiten gefüllten Wamste, jubliert innerlich und denkt sich:

QUIERO ARGENTINA!!!
Y
VIVA BUENOS AIRES!!!

Der Friedhof von Recoleta

100_01071.jpgBuenos Aires soll ja einen Hang zur Morbidität haben. Nach dem Besuch des Friedhofs von Recoleta kann ich dem nur zustimmen.

Recoleta gilt als Nobelviertel der Stadt. Hier wohnt die Haute-volée nicht nur, hier lässt sie sich auch bestatten.
Aber wie! Einen derartigen Prunk und Pomp hab ich noch nicht gesehen.

Auf fast 5 ha finden sich an die 4.800 Grabbauten - meist kleine Mausoleen mit 2 Untergeschossen. Und jede dieser Krypten ist mit Statuen, Reliefs, Säulen, Kuppeln, ja manchmal ganzen Tempeln geschmückt.

Das berühmteste Grab ist natürlich das von Evita, dass sich im Vergleich zum sonst in Recoleta üblichen Aufwand geradezu bescheiden ausmacht.

Mehr Fotos gibts auf meiner Flickr-Seite 

Gestern war ich auf meiner ersten Milonga. Im “Centro Cultural Armenico di Buenos Aires”, ich wohn ja im armenischen Viertel der Stadt. Noch relativ selbstbewusst kaufte ich um 22:45 die Eintrittskarte zur Milonga - gemeinsam mit Leuten aus der Schule, einem Schweden, einem Holländer, einem Ami und einer Schweizerin, letztere ist Pianistin und Tänzerin.

Um Mitternacht beginnt die Milonga, dh. der Tanzabend, davor gibts Tangounterricht in Gruppen. Relativ sicher noch ging ich zu den etwas Fortgeschrittenen - man war ja schliesslich bei Mühlsiegel und hat schon so manchen Tango auf diversesten Bällen absolviert. Und links-rechts-wiegeschritt und rück und tango-schluss - so schwer ists ja gar net (denkt der Mitteleuropäer).

Gut so steh ich nun im Gruppenunterricht da, Mujeres & Hombres noch getrennt, plötzlich sagt der Lehrer “Paare bilden”. Ich hab mich natürlich vorher schlau gemacht wie man in BA zum tanzen bittet - also Blickkontakt aufnehmen, Braue hochziehen, auf ein Nicken warten und losgehts. Gesagt, getan - ruckzuck hab ich auch eine Portena gefunden und los gehts.

Denkste.

Tango wird hier nicht nur ein wenig anders getanzt sondern vollkommen anders. links-rechts-wiegeschritt konnte ich mir gleich mal einmassieren. Und meine schöne Tangohaltung wurde vom Lehrer mit einem “Ah No! No come Rudolpho Valentino” in Grund und Boden gestampft.
Die hilfreich gemeinten Aufforderungen meiner Tanzpartnerin “El hombre es el commandante” hätte ich ja gern befolgt. Wenn ich nur gwusst hätt was mit den Haxen zu tun ist!

Nun gut, nach 3, 4 Tänzen wird gewechselt. Nächste Partnerin rasch gefunden, eine Französin. Einen später meinte sie ihr hätte es zwar gefallen, doch die Totalanfänger seien einen Stock höher und ich sollte es vielleicht doch dort versuchen. :-(

Gut, rauf zu den Anfängern (dort traf ich auch meine Companeros aus Schweden und Holland wieder, die Schweizerin hingegen schwebte bereits übes Parkett). Dummerweise wars inzwischen schon halb 12 vorbei und die meisten dort konnten bereits die Grundschritte. Wurscht, denkt der Tanzschulabsolvent, das wird scho gehen.

Erfolgreiche Aufforderung, die ersten Takte klappen noch, rammt mich nicht wer. Ich komm aus dem Takt raus und denk mir: “Na tanzt halt so weiter wie daheim in der Tanzschule gelernt”.  Also Haltung eingenommen und links-rechts-wiegeschritt.
Meine Partnerin hat nur gefragt was ich denn da mache, Tango ist das jedenfalls nicht. Und wenn ich Walzer tanzen will soll ich zur passenden Musik gehen, aber hier tanzt man Milonga.

In diesem Moment beschloss ich Privatstunden zu nehmen und den Rest des ersten Milongabends lieber mal nur zuzuschauen.

Und es ist wirklich irre was die können hier! Alte Typen gleiten mit jungen Mädels übers Parkett, und deren Beine sind überall! Wahnsinn! Der Saal war riesig und bummvoll, alt & jung gemischt. Neben Tango habens auch einen Salsa gespielt (ich war froh dass ich gesessen bin).

Resümee nach einer Woche BA - ich tanz so gut Tango wie ich spanisch kann ;-)
Aber wird scho werden…

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